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Wo liegen die Unterschiede zwischen Natur und Aquarium?

Neben der wichtigen mechanischen und biologischen Aquarienreinigung eignet sich der Aquarienfilter vorzüglich, um noch an­dere Aufgaben wahrzunehmen. Bei Bestückung mit entsprechenden Materialien sind der Filter und auch der Bodengrund durchaus auch in der Lage, zumindest einen Teil der Wasseraufbereitung und -anpassung zu übernehmen. Ein typisches Beispiel für eine solche Filteranwendung sind Aquarien für südamerikanische und westafrikanische Weichwasserfische. In diese Fischgruppe fällt neben einer großen Anzahl an Buntbarschen - von Apistogramma-Zwergcichliden bis hin zu Großfischen wie Diskus oder Altum-Skalaren - eine schier unüberschaubare Anzahl an Salmlern, auch hier wiederum von friedlichen Kleinfischen wie Neonsalmlern bis hin zu groß werdenden Raubfischen wie den Piranhas. Des weiteren stammen die sehr beliebten Panzer- und Har­nischwelse (,,L-Welse") sowie die fas­zinierenden Süßwasser-Stechrochen aus den Weichwassergebieten Südamerikas. Unter den westafrikani­schen Fischen aus ähnlichen Wasserverhältnissen haben neben einigen Cichlidenarten vor allem viele Killi­fische ihre Liebhaber unter spezialisierten Aquarianern gefunden.
Ein Wasser mit besonderen Eigenschaften: Das Schwarzwasser

Das so genannte ,,Schwarzwasser" ist die Heimat vieler dieser Fische. Dieses nahezu klare Wasser zeichnet sich durch seine starke bernstein- bis teefarbige Eigenfärbung aus, die in erster Linie durch Humin- und Fulvosäuren sowie eine große Anzahl von Gerbstoffen verursacht wird, die sich aus Falllaub und umgestürzten, allmählich ausgelaugten Bäumen lösen. Dieses Wasser zeigt eine sehr geringe Gesamt- und Karbonathärte (unter 2° dH, oft sogar praktisch nicht nachweisbar) sowie einen deutlich sauren pH-Wert. Niedrige pH-Werte um 5 - 5,5 sind keine Seltenheit, in einigen Fällen hat das Wasser sogar einen pH-Wert zwischen 4 und 5. Das Wasser ist sehr nährstoffarm und weist - auch durch die Bakterien hemmende Wirkung der Humin­ und Gerbstoffe - nur eine geringe Keimzahl auf. Die Huminsäuren wirken als Puffer im schwach sauren Bereich pH-stabilisierend. In der Natur reicht die Pufferkapazität der Huminstoffe aus. Der Leitwert im Schwarzwasser ist niedrig; er liegt in den meisten Fällen unter 50 uS/cm. Im Aquarium lassen sich diese Wasserverhältnisse ideal durch den Einsatz von Schwarztorf nachbilden. Besonders geeignet sind Schwarztorfgranulate, die ihre Wirkstoffe über einen längeren Zeitraum von etwa 6 Wochen an das Wasser abgeben. Das Schwarztorfgranulat wirkt auch als saurer lonenaustauscher, d.h., es ist in der Lage, Härte bildende Metallionen (in erster Linie Calcium und Magnesium) zu binden und das Wasser dadurch messbar weicher zu machen. Die keimhemmende Wirkung der gelösten Stoffe macht sich auch im Aquarium positiv bemerkbar.

 

Wo liegen die Unterschiede zwischen Natur und Aquarium?

Es gibt jedoch einige Besonderheiten, die bei solchen Aquarien zu berücksichtigen sind: In der Natur steht pro Fisch eine weitaus größere Wassermenge zur Verfügung, was nicht nur der Stabilität der Wasserwerte dienlich ist, sondern auch die ausreichende Versorgung der Fische mit Mineralien und Spurenelementen gewährleistet. Demgegenüber ist die Wassermenge pro Fisch selbst bei großen Aquarien erheblich geringer - daher muss man Mangelerscheinungen wie der gefürchteten Lochkrankheit (z.B. bei Diskus und Geophagus-Arten) durch einen Mineralzusatz mit speziell dafür entwick­elten Präparaten wie sera mineral salt vorbeugen. Auch die Wasserstabilisierung gewinnt durch den im Vergleich zur Natur höheren Besatz entscheidende Bedeutung. Die Pufferwirkung der Huminstoffe kann im ungünstigsten Fall durch die ständig im Filter gebildeten Säuren überlastet werden, so dass ein schnelles, starkes Absinken des pH-Wertes droht. Zur Pflege der Fische ist deswegen eine moderate Karbonathöhe von 4 - 5 ° dKH ratsam, die nach Einpendelung der aus mineral salt und Schwarztorf resultierenden Karbonathärte durch maßvolle Zugabe von KH-plus eingestellt werden kann. Der pH-Wert liegt dann normalerweise im Bereich um 6 - 6,5, was für die Fische völlig in Ordnung ist. Anders sieht es mitunter bei der Zucht dieser Fische aus, insbesondere, wenn Wildfänge vermehrt werden sollen. Hier kann es tatsächlich nötig sein, extrem weiches und deutlich saures Wasser anzubieten. Derartige Zuchtaquarien müssen jedoch äußerst sorgfältig überwacht und gewartet werden!
 

Torf ist nicht nur im Filter wertvoll!

Torf findet in diesen Zuchtaquarien noch eine weitere Anwendung - er hat sich exzellent zur Nachzucht bodenlaichender Fische, zu denen z.B. viele der o.g. Killifische gehören, bewährt. In diesem Fall wählt man keinen granulierten Torf, sondern Fasertorf (sera ultra peat), der in einer Schicht von einigen Zentimetern Stärke auf dem Aquarienboden gleichmäßig verteilt wird. Der Torf erfüllt damit eine doppelte Funktion: Einerseits schafft er die zur Nachzucht dieser Fische idealen Wasserbedingungen, andererseits fallen die Eier zwischen die Fasern und hindern so die Eltern daran, ihren eigenen Laich zu fressen. Für die Zucht der sehr kurzlebigen annuellen Killifische (,,Saisonfische") hat es sich bewährt, den Torf mit den Eiern leicht feucht für mehrere Monate zu lagern und die Jungfische dann durch Aufgießen mit entsprechend aufbereitetem Wasser zum Schlüpfen zu bringen.

 
Auch für alkalisches oder hartes Wasser lässt sich der Filter entsprechend einrichten!

Völlig anders liegt die Situation, wenn Cichliden aus dem Malawi- oder Tanganjikasee gepflegt werden sollen. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung unterscheiden sich die Wasserverhältnisse in den beiden Seen stark: Während das Wasser im Tanganjikasee alkalisch und auch relativ hart ist, ist das Wasser im Malawisee zwar ebenfalls alkalisch, dabei aber weich und die Gesamthärte beträgt nur 5 °dGH. Der Leitwert im Malawisee liegt unter 250 us/cm. Die Malawicichliden vertragen aber auch härteres Wasser, was die im Aquarium vereinfacht. Hierzu ist ein Beutel mit kalkhaltigem Material ideal - gut geeignet sind z.B. Muschelbruch aus dem Meerwassersortiment. In Verbindung mit den im Filter gebildeten Säuren bilden sich letztendlich lösliche Hydrogencarbonate, die dann als Karbonathärte zur Stabilisierung des Wassers beitragen. Unterstützt wird dieser Effekt von dem in solchen Aquarien meist verwendetem Lochgestein, das vom Material her ebenfalls sehr kalkhaltig ist. Der Effekt ist aber deutlich schwächer, weil die Oberfläche der Steinbrocken bei weitem nicht so porös ist wie z.B. bei Korallenbruch. Der in den Filter eingehängte Beutel dient dabei in erster Linie als ,,Sicherheitspuffer" im laufenden Betrieb des Aquariums. Die gegebenenfalls angeratene Wasseraufbereitung mit mineral salt oder kH-plus kann und soll er jedoch nicht ersetzen.
von Dr. Bodo Schnell