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Der Leitwert PDF Drucken E-Mail
Jedes Wasser in der Natur und im Aquarium enthält gelöste Salze. Dazu gehören z.B. die als Härtebildner bekannten Calcium- und Magnesiumverbindungen, Natriumchlorid (Kochsalz), der Hauptbestandteil des Meersalzes, sowie viele weitere. Gelöste Salze erhöhen die Fähigkeit des Wassers, den elektrischen Strom zu leiten. Je mehr Salze im Wasser gelöst sind, desto besser leitet es den elektrischen Strom. Das Maß für die elektrische Leitfähigkeit heißt Leitwert und wird in µS/cm* (Süßwasser) bzw. mS/cm** (Meerwasser) gemessen. * Mikrosiemens pro Zenitmeter **Millisiemens pro Zentimeter



In natürlichem Süßwasser sind sehr unterschiedliche Leitwerte anzutreffen. In extremen Weichwassergebieten kann er durchaus zwischen 10 und 15 µS/cm liegen, wohingegen in mittelhartem oder hartem Wasser, z.B. in manchen mittelamerikanischen Gewässern, Werte von weit über 1000 µS/cm keine Ausnahme sind. Noch höher liegt der Leitwert im Bereich von Flussmündungen, wo Süßwasser sich mit dem salzhaltigen Meerwasser mischt. In diesem Brackwasser können durchaus mehrere tausend µS/cm vorliegen. Der Leitwert reinen Meerwassers liegt nochmals höher. Er bewegt sich in der Größenordnung um 50 mS/cm, entsprechend 50.000 µS/cm. Ein Leitwert von 0 µS/cm ist übrigens praktisch und theoretisch unmöglich, da selbst völlig salzfreies Wasser noch eine geringe Restleitfähigkeit besäße.
Ein wichtiges Prinzip in der Natur: Osmose

Die Körperflüssigkeit der Fische enthält eine gewisse Menge gelöster Salze, die der Fisch konstant halten muss. Bei Süßwasserfischen ist die Salzkonzentration im Inneren des Körpers deutlich höher als im umgebenden Wasser. In der Natur gibt es ein Prinzip, nach dem zwei durch eine für Salze undurchlässige Membran getrennte Wassermengen versuchen, ihre Salzkonzentration auszugleichen. Dabei strömt Wasser von der verdünnteren in die stärker konzentrierte Lösung. Dieses Prinzip nennt man ,,Osmose" die Menge des einströmenden Wassers und der so genannte ,,osmotische Druck" hängen vom Konzentrationsunterschied der beiden Lösungen ab. Dementsprechend ist der Wassereinstrom in sehr weichem und salzarmem Wasser mit einem niedrigen Leitwert besonders hoch und sinkt bei Salzzugabe oder -anreicherung. Für Süßwasserfische bedeutet dies: Es dringt ständig Wasser in der Körper ein, das der Fisch zur Erhaltung seiner Körperform aktiv ausscheidet. Die Niere ist dementsprechend ein wahres Hochleistungsorgan - ein Süßwasserfisch scheidet täglich bis zu 10 % seines Körpergewichts über die Nieren aus!  Die Wassermenge, die ein Fisch zur Erhaltung seiner körpereigenen Salzkonzentration ausscheiden muss, hängt von der Menge an einströmendem Wasser ab Die Steuerung des Wasserhaushaltes nennt man „Osmoseregulation".

Die Fische können diese Steuerung innerhalb gewisser Grenzen anpassen, brauchen dazu aber Zeit. Besonders problematisch ist dabei die Umstellung von Wasser mit hohem Leitwert (z.B. durch längere Zeit vernachlässigter Wasserwechsel) auf solches mit deutlich niedrigerem Leitwert. Wenn in einem solchen Fall der Leitwert plötzlich gesenkt wird, beispielsweise durch einen großen Teilwasserwechsel, steigt der osmotische Druck plötzlich stark an. Das hat zur Folge, dass schlagartig erheblich mehr Wasser in den Fisch eindringt. Das kann beim Fisch einen gefährlichen ,,osmotischen Schock" auslösen. So weit muss es aber natürlich nicht kommen - durch regelmäßige Teilwasserwechsel, die auch aus vielen anderen Gründen ratsam sind, lässt sich dies einfach vermeiden.

Auch für Pflanzen spielt der Leitwert eine entscheidende Rolle. In salzhaltigem Wasser gedeihen unsere Aquarienpflanzen praktisch gar nicht, im Brack- und Meerwasser nehmen Algen ihren Platz ein. Als grobe Richtlinie kann man für die meisten Arten eine Grenze bei etwa 500 µS/cm ziehen, darüber treten in zunehmendem Maße Probleme mit dem Pflanzenwachstum auf. Zu plötzliche Leitwertsenkungen werden auch von Pflanzen schlecht vertragen. Das verstärkt in die Zellen einströmende Wasser kann in Extremfällen sogar zum Platzen der Zellen und zum Verlust der Pflanze führen.
Wie kann man den Leitwert messen?

Der Leitwert kann nur auf elektronischem Weg gemessen werden. Entsprechende Messgeräte sind im Fachhandel erhältlich.  Besonders praktisch sind Kombigeräte wie das sera Combi pH- und Leitwert-Messgerät, die neben der Leitwertmessung auch eine Bestimmung des pH-Wertes erlauben. Der Messvorgang selbst ist auch für ungeübte Aquarianer sehr einfach.


Besonders wichtig ist die Messung des Leitwertes für Aquarianer, die bestimme Wasserbedingungen einstellen wollen oder müssen, z.B. zur Zucht extremer Weichwasserfische. Bei Neuerwerbungen, namentlich von Lebendgebärenden Zahnkarpfen, ist eine Leitwertbestimmung oft hilfreich. Mitunter werden die Fische vor dem Verkauf in leicht salzhaltigem Wasser gehalten und dann sollte die Umstellung auf reines Süßwasser besonders behutsam erfolgen. Oft liefert die Bestimmung des Leitwertes den entscheidenden Hinweis auf der Suche nach Problemursachen beispielsweise im Fall von schlechten Pflanzenwachstum. Der Leitwert ist in jedem Fall ein wichtiger und interessanter Wasserparameter, dessen Messung schon oft zur Aufklärung vermeintlich ,,unerklärlicher" Beobachtungen geführt hat!
Kurz und bündig: Der pH-Wert

Der pH-Wert gibt an, oh das Wasser sauer (pH unter 7), neutral (pH 7) oder alkalisch (pH über 7) ist. Er ist einer der grundlegendsten Wasserwerte für die Pflege von Fischen. Jede Fischart hat ihre speziellen Vorlieben, die bei der Aquarienpflege eingehalten werden sollten. Mit jedem Schritt erhöht bzw. erniedrigt sich die Säure- bzw. Basenmenge um den Faktor 10. Wasser mit pH 7 enthält also zehnmal soviel Säure wie Wasser mit pH 8; Wasser mit pH 6 bereits 10 x 10 =  einhundert mal soviel! Daraus ist ersichtlich, dass selbst vermeintlich geringe Schwankungen des pH-Wertes die Zusammensetzung des Wassers erheblich verändern. Die Überprüfung des pH-Wertes erfolgt mit einem Tropftest anhand einer Farbskala oder aber elektronisch. Die elektronische Messung ist besonders präzise, dabei jedoch sehr einfach und bequem. Besonders bedienerfreundlich ist ein Kompaktmessegerät wie das sera Combi pH- und Leitwert-Messgerät, das pH- und Leitwertmessgerät in einem Gehäuse vereint. Dieses Gerät ermöglicht präzise Messungen im pH-Bereich von 0 - 14 sowie im Leitwertbereich von 0 – 2000 µS/cm (Süßwasser) bzw. 0 – 100 mS/cm (Meerwasser).

sera - von Dr. Bodo Schnell