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Ein gesundes Aquarium durch Bakterien PDF Drucken E-Mail
Jeder Aquarianer weiß, dass ein neu eingerichtetes Aquarium ,,einlaufen" muss. Das ist die Zeit, in der sich die biologischen Verhältnisse im Aquarium entwickeln und stabilisieren. Erst danach wird das Aquarium zu einem gesunden Lebensraum für seine Bewohner. Die Einlaufphase ist eine sehr kritische Phase, in der man die Wasserwerte besonders gründlich kontrollieren sollte. Durch Messung der belastenden Zwischenprodukte, wie Ammonium und Nitrit, kann man genau verfolgen, wann sich die Biologie des Aquariums stabilisiert hat.
Was sind Bakterien?

Bakterien sind sehr einfach gebaute Lebewesen, die nur aus einer einzigen Zelle bestehen. Sie kommen überall auf der Welt vor. Bakterien bilden die Grundlage des Lebens. Die meisten sind völlig harmlos. Nur ganz wenige sind Krankheitserreger und machen uns oder unseren Fischen deshalb Probleme. Häufig stellen wir Bakterien in unsere Dienste, z.B. bei der Herstellung von Joghurt, Käse und natürlich in der Aquaristik zum biologischen Abbau der Ausscheidungen unserer Fische.
Was bewirken Bakterien im Aquarium?

Bakterien siedeln sich überall dort an, wo es für sie etwas zu fressen gibt. Das können Nährstoffe sein oder Abfallstoffe, wie der Kot der Fische. Im Aquarium leben unzählige Mengen Bakterien unterschiedlicher Arten. Sie machen das Aquarienwasser für Fische erst verträglich und schaffen gesunde Verhältnisse. Jede Bakterienart ist auf ihre Weise auf bestimmte Arbeiten spezialisiert.

Man könnte sie mit Facharbeitern einer Fabrik vergleichen. So gibt es im Aquarium Bakterien, die organisches Material, wie abgestorbene Pflanzenblätter oder Futterreste, verarbeiten. Diese gehören in die Gruppe der Fäulnisbakterien. Andere sind auf die Ausscheidungen der Fische spezialisiert, den Kot, den Urin oder das Ammonium, welches die Fische ausatmen. Diese für das Aquarienbiotop sehr nützlichen Bakterien leben im Bodengrund und den Filtermedien. Die Ammonium abbauenden Bakterien können auch im freien Wasser leben. Nitrit abbauende Bakterien sind dagegen auf ein poröses Filtermaterial angewiesen, sonst vermehren sie sich nicht. Auch wir können nicht in einer vom Wind durchblasenen Hütte ohne Wände leben, sondern brauchen eine Wohnung, in der die Luft ruhig zirkuliert. So benötigen die Filterbakterien ein poröses offenporiges Filtermaterial, wie sera siporax, wo sie geschützt leben, arbeiten und sich vermehren können. Sauerstoffreiches Wasser zirkuliert langsam in den Porenverbindungen, bringt die Abfallstoffe zu den Bakterien hin und trägt ihre Ausscheidungen weg. Auch die gepflegteste Wohnung muss ab und zu gelüftet werden. Dem entspricht im Aquarium der regelmäßige wöchentliche Wasserwechsel, bei dem etwa 15 % Wasser ausgetauscht wird.
Wie vermehren sich die nützlichen Bakterien?

Bakterien vermehren sich durch Zweiteilung, aus einem werden zwei, dann vier, dann acht usw. Sie verdoppeln sich in bestimmten Zeitabständen, wenn genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen und ihnen ihre Wohnung behagt. Das machen die verschiedenen Bakteriengruppen aber in unterschiedlichen Zeitabständen. So verdoppeln sich die Ammonium abbauenden Bakterien alle zwanzig Minuten, die Nitrit abbauenden aber nur einmal am Tag. Das ist der Grund, warum wir in einem neu gestarteten Aquarium nur in den ersten Tagen Ammonium nachweisen können, Nitrit aber über Wochen erhalten bleiben kann.

Den Abbauprozess von Ammonium über Nitrit zu Nitrat nennt man Nitrifikation. Gerade in der Anfangsphase des Aquariums ist es wichtig, dass der Nitrifikationsprozess möglichst schnell in Gange kommt, damit die Fische nicht übermäßig durch giftige Zwischenprodukte, wie Ammoniak und Nitrit, belastet werden.
Die Startphase des Aquarium

In einem neuen, frisch aufgefüllten Aquarium fehlen die Bakterien für den Schadstoffabbau. Setzt man nun Fische ein, so scheiden diese Ammonium als Abfallprodukt ihres Eiweißstoffwechsels über die Kiemen aus. Ohne die Bakterien reichert sich das Ammonium im Wasser an. Bei steigendem pH-Wert wandelt sich zudem ein immer höherer Teil des harmlosen Ammoniums in hochgiftiges Ammoniak um. Dann vermehren sich die Ammonium/Ammoniak abbauenden Bakterien und wandeln das Ammonium, bzw. das Ammoniak, in Nitrit um. Während das Ammonium nun verschwindet, erhöht sich der Nitritgehalt immer mehr. Da sich die Nitrit abbauenden Bakterien extrem langsam vermehren, bleibt das giftige Nitrit lange Zeit in hoher Konzentration erhalten. Erst wenn sich auch diese Bakterien zu einer genügenden Menge vermehrt haben und das Nitrit in relativ ungiftiges Nitrat umwandeln, sinkt der Nitritgehalt des Wassers. Somit sind die Nitrit abbauenden Bakterien direkt von den Ammonium abbauenden Bakterien abhängig, denn sie verwerten deren Ausscheidungen. Das lässt sich durch Messungen mit den sera Reagenzien genau verfolgen. Die Einfahrphase des Aquariums dauert normalerweise mehrere Wochen. Mit sera nitrivec, einem Präparat, das lebende Filterbakterien enthält, kann diese Zeit drastisch verkürzt werden. sera nitrivec enthält 20 % der sich schnell vermehrenden Ammonium abbauenden Bakterien und 80 % der sich langsam vermehrenden Nitritbakterien. Milliarden dieser fleißigen Ammonium- und Nitritbakterien befinden sich in sera nitrivec. Das Präparat wird zehn Tage lang täglich dem Wasser zugegeben. Eine Stunde vor der Anwendung von sera nitrivec muss unbedingt sera aqutan zugegeben werden, damit die Bakterien nicht gleich wieder absterben.
Und die Fische?

Am nächsten Tag nach der ersten Zugabe von sera nitrivec sollen dann einige wenige Fische in das Aquarium eingesetzt werden. Am Besten wählt man algenfressende Fische für den Erstbesatz. Nach fünf Tagen kann dann eine weitere Gruppe Fische folgen. Ganz ohne Fische kann ein Aquarium nur schwer einlaufen. Die zugegebenen Filterbakterien benötigen Nahrung, welche ihnen die Fische als Ausscheidungen zur Verfügung stellen. Auch die zugegeben sera nitrivec Bakterien sterben ohne die Ausscheidungen der Fische wieder ab. Nach zehn Tagen kann nun der restliche Fischbestand nach und nach eingesetzt werden.
sera

von Dieter Untergasser