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Wir haben 3 Gäste online| Die Sektion von Fischen |
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Viele Krankheiten lassen sich nur dann sicher diagnostizieren, wenn einer der kranken Fische seziert wird. Für eine Sektion sind nur solche Fische geeignet, die gerade gestorben sind.
Sind sie länger als eine Stunde tot oder lagen gar noch einige Zeit im Aquarium, sind sie für eine Untersuchung nicht mehr brauchbar. Die Zersetzung der inneren Organe beginnt bald nach Eintritt des Todes, und im Organismus vermehren sich Bakterien, die das Krankheitsbild verfälschen. Zudem verlassen Ektoparasiten den Fisch, und innere Parasiten sterben ab. Grundsätzlich ist es durch das Tierschutzgesetz verboten Wirbeltiere, zu denen auch Fische gehören, zu töten. Ausnahmen bilden Tiere, die unter Verkrüppelungen oder anderen unheilbaren Krankheiten leiden. Diese müssen fachgerecht getötet werden. Dies darf nur unter Vermeidung von Schmerz, gegebenenfalls unter Betäubung, geschehen. Ein schneller Schnitt mit dem Skalpell durch die Wirbelsäule direkt hinter dem Gehirn ist bei kleinen Fischen als humane Methode vom Gesetzgeber anerkannt. Größere Fische werden betäubt und dann durch einen Genickschnitt getötet. Zum Betäuben kann man sich vom Tierarzt Hypnodil verschreiben lassen. Von diesem Pulver stellt man sich eine Lösung her, indem man ein Gramm in zehn Millilitern Wasser auflöst. Mit einer Pipette entnimmt man eine geringe Menge und tropft jeweils etwa fünf Tropfen bei geöffnetem Kiemendeckel beidseitig auf die Kiemen. Nach Ausbleiben des Augendrehreflexes kann der Genickschnitt vorgenommen werden. Achtung: Hypnodil ist sehr giftig, muss unter Verschluss aufbewahrt werden und darf auf keinen Fall in die Hände von Kindern gelangen! Das tote Tier bringt man auf ein Wachsbett und steckt es mit Präpariernadeln durch die Rückenmuskulatur und die Schwanzwurzel fest. Die Sektion beginnt man mit dem Opercularschnitt. Man trennt den Kiemendeckel ab und kann nun die Kiemen beurteilen. Sie sollten eine kräftige blutrote Farbe haben. Bei kleinen Fischen trennt man einen oder mehrere ganze Kiemenbögen ab und fertigt damit ein Präparat an. Von großen Fischen schneidet man mit einer scharfen Schere einzelne Kiemenblätter ab und überträgt sie auf einen Objektträger. Zuerst sucht man bei niedriger Vergrößerung nach Kiemenwürmern. Diese können durch die Betäubung des Fisches gelähmt sein, so dass ein sorgfältiges Beurteilen des Präparates notwendig ist. Dann schaut man nach kleineren Objekten wie Ciliaten, Flagellaten und Oodinium. Da aus den abgeschnittenen Kiemenblättern viel Blut austritt, kann man bei etwa 200facher Vergrößerung nach Blutflagellaten suchen. Um die inneren Organe untersuchen zu können, muss die Leibeshöhle geöffnet werden. Man sticht mit dem Schenkel einer spitzen Schere vor dem After ein und schneidet die Bauchdecke bis zu dem unteren Rand der Kiemen auf. Dann beginnt man an der gleichen Stelle und schneidet um die Leibeshöhle herum bis zum oberen Rand der Kiemen. Bei den Schnitten muss man darauf achten, dass keine Organe verletzt werden. Man hebt nun die Körperseite vorsichtig an und trennt sie durch Verbinden der Schnittenden ab. ![]() Abb.: Schnitte zur Sektion Zunächst prüft man, ob sich Flüssigkeit in der Leibeshöhle gesammelt hat. Dann sucht man die Organe nach Blutungen oder weißen Knötchen ab. Weißliche Einschlüsse können durch verkapselte Metacercarien, Nematodenlarven oder Tuberkulose verursacht werden. Für die Mikroskopuntersuchung der Organe stellt man spezielle Präparate her. Man benutzt dazu kein Wasser, sondern eine 0,64 %-ige physiologische Kochsalzlösung, um Schrumpfungen oder Auftreibungen von Mikroorganismen zu vermeiden. Die physiologische Kochsalzlösung stellt man selbst her, indem man 6,4 Gramm Kochsalz in einem Liter Wasser löst. Man schneidet mit einer feinen Schere ein kleines Stück von dem zu untersuchenden Organ ab und überträgt es auf einen objektträger. Mit zwei Präpariernadeln zerreißt man das Gewebe in möglichst kleine Stückchen, gibt einen Tropfen physiologische Kochsalzlösung zu und legt das Deckglas auf. Dann drückt man mit einem stumpfen Gegenstand auf das Deckglas und zerquetscht das Gewebe zu einer sehr dünnen Schicht. Dabei ist Vorsicht geboten, denn das Deckglas ist sehr dünn und leicht zerbrechlich. Nun kann das Präparat zuerst mit niedriger Vergrößerung durchgemustert werden. ![]() Abb.: Die Lage der Organe Die Leber ist das größte Drüsenorgan des Körpers. Sie verarbeitet die vom Darm über den Blutweg zugeführten Nährstoffe und ist die Entgiftungsstation des Körpers. Starke Gifteinwirkung führt zum Absterben der Leberzellen. Die Leber hat normalerweise eine rotbraune Färbung, wie es von Schweine- oder Rinderleber her bekannt ist. Bei Fischen, die hauptsächlich pflanzliche Kost fressen, kann die Leber auch braun gefärbt sein. Im mikroskopischen Präparat erscheint das Gewebe gelblich mit Blutgefäßen und Gallengängen durchsetzt. Eine Gelbfärbung deutet auf Leberverfettung hin. Im Mikroskop sind dann sehr viele Fettkügelchen unterschiedlicher Größe zu erkennen. Bei niedriger Vergrößerung erscheint das Präparat grau. Das Leberpräparat wird auf Einschlüsse, Zysten und Bakterienbefall untersucht. Die Leber ist über den Gallengang mit dem vorderen Darm verbunden dazwischen befindet sich die Gallenblase. Bei einer unachtsamen Sektion kann die Galle leicht platzen und die Flüssigkeit ergießt sich in die Leibeshöhle. Bei Entzündungen des Gallengangs oder des Gallenausgangs kann ein Verschluss auftreten, der zum Rückstau der Gallenflüssigkeit bis zur Leber führt. Die Leber ist dann teilweise grün gefärbt. Die Milz ist das Blutspeicherorgan und entsorgt überalterte Blutzellen. Sie ist dunkelrot bis rotschwarz gefärbt. Im mikroskopischen Präparat erscheint das Gewebe hellrot, durchsetzt mit roten Stellen und Anhäufungen gelbbrauner Zellen, den Makrophagenkonglomeraten. Das Präparat wird auf Bakterien, Blutflagellaten, verkapselte Wurmlarven und Tuberkulosezysten untersucht. Der Darm mit dem Magen muss sehr gründlich untersucht werden, da sich hier viele unterschiedliche Parasiten aufhalten können. Man bereitet mindestens drei objektträger vor, die gereinigt nebeneinander am Arbeitsplatz liegen. Der komplette Darm wird entnommen, indem man ihn am Schlund und am After abschneidet. Man breitet ihn an einer sauberen Stelle des Wachsbettes aus und schneidet jeweils vorne, mitten und hinten etwa einen Zentimeter lange Stücke ab. Diese werden auf die Objektträger übertragen und mit einer feinen Schere der Länge nach aufgeschnitten. Der Darm kleinerer Fische kann vollständig auf einen Objektträger gelegt werden. Man zerreißt ihn mit zwei Nadeln, damit der Inhalt austreten kann. Nun wird etwas physiologische Kochsalzlösung zugegeben und ein Deckglas aufgelegt. Man durchmustert das Darmpräparat zunächst bei niedriger Vergrößerung auf größere Parasiten wie Würmer. Bei höherer Vergrößerung sucht man den ausgetretenen Darminhalt nach kleinen Parasiten, Flagellaten und Bakterien ab. Sind Flagellaten oder Bakterien zu sehen, und sollen diese genauer betrachtet werden, hebt man das Deckglas ab und entfernt alle Gewebestücke mit einer spitzen Pinzette. Man legt ein neues Deckglas auf und saugt so lange Flüssigkeit am Rand des Deckglases ab, bis das Präparat dünn genug für eine Untersuchung bei hoher Vergrößerung ist. Nachdem man alle festen Gewebeteile entfernt hat, ist es sinnvoll, einen Tropfen Kleisterlösung mit der Probenflüssigkeit zu verrühren und dann erst ein Deckglas aufzulegen. Die Erreger bewegen sich nun viel langsamer und können so leichter bestimmt werden. Natürlich findet man in dem Präparat alles, was der Fisch zuvor gefressen hat. Objekte wie Algen, Pollen, Borsten und Eier von Futtertieren führen in halb verdautem Zustand leicht zu Irrtümern, wenn man sie nicht einordnen kann. Man findet auch die Eier von allen im Aquarium lebenden Organismen im Darm der Fische. Diese werden bei der Futteraufnahme mitgefressen und passieren den Darm, ohne sich zu entwickeln. Es ist daher wichtig, die Eier der Parasiten zu kennen, um Verwechslungen mit den Wurmeiern der völlig harmlosen Wurmarten auszuschließen. Zwischen Schwimmblase und Wirbelsäule befindet sich die Niere. Sie ist je nach Art unterschiedlich gebaut. Bei Salmern und Cichliden ist die Niere nur ein schmales Band direkt unter der Wirbelsäule mit einer Verdickung im vorderen Bereich, der so genannten Kopfniere. Karpfen und Barben besitzen zusätzlich noch unterschiedlich deutlich ausgeprägte Rumpfnieren beidseitig der Wirbelsäule. Die Niere entwässert den Organismus, was bei Süßwasserfischen eine hohe Aktivität erfordert. Störungen der Niere führen zur Leibesauftreibung und Glotzaugenbildung, da die Flüssigkeit nicht mehr oder nicht vollständig ausgeschieden werden kann. Die Niere ist außerdem das blutbildende Organ. Bei Erkrankungen der Niere kommt es daher häufig zu einer Blutarmut, was an blassen, hellrosa gefärbten Kiemen erkennbar ist. Die Behandlung erfolgt mit sera baktopur direct, da der Wirkstoff über Haut und Kiemen resorbiert wird und bei Harnwegsinfektionen eine sehr gute Wirkung hat. Um sichere Diagnosen stellen zu können, ist ein Einführungskurs wie dieser nicht ausreichend. Eine Weiterbildung mit Fachliteratur sowie zahlreiche Untersuchungen von Fischen, um die notwendige Praxis zu bekommen, sind notwendig. Ebenso wichtig ist es, oft Proben aus Aquarien und aus Gartenteichen gründlich zu untersuchen und so die Mikroorganismen anhand der Bestimmungsliteratur kennen zu lernen. Nur so wird eine Unterscheidung der harmlosen Lebewesen von den Parasiten möglich. Abgesehen von der Wichtigkeit für die tägliche Praxis im Zoofachgeschäft, stellt die Beschäftigung mit der Mikroskopie ein hochinteressantes Hobby dar, das viele Menschen ein Leben lang begleitet und bereichert. sera von Dieter Untergasser |




