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Wir haben 9 Gäste online| Von großen und kleinen Räubern im Aquarium |
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Der Aquarienliebhaber stellt sich unter einem ,,Räuber" in der Regel einen Fisch vor, der sich im Aquarium nicht unbedingt so benimmt, wie es seinen Erwartungen entspricht. Meist reicht es schon aus, wenn der Fisch eine andere Auffassung von Aquariengestaltung hat als der Pfleger und beginnt, die mit Mühe dekorierte Einrichtung in eine neue Form zu bringen. Wenn dann Kiesberge entstehen und Pflanzen ausgegraben werden, bringt er den Übeltäter umgehend zum Händler zurück. ![]() Sehr schnell verdirbt sich ein Fisch alle Sympathien, wenn er einen ausgesprochenen Appetit auf kleinere Mitbewohner entwickelt. Fast alle Aquarienfische, mit Ausnahme der ausgesprochenen Pflanzenfresser, sind Fleischfresser. Somit sind kleine Beutetiere, ob Insektenlarven, Krebse oder Jungfische, ihre natürliche Nahrung. Trotzdem gelten die meisten unserer Aquarienfische nicht als Raubfische, sondern als friedliche Fische. Da viele Fischfamilien sowohl friedliche als auch Raubfische stellen, kann man keine klaren Grenzen ziehen. Der Fisch frißt alles, was in sein Beuteschema paßt. Selbst als friedlich geltende Fische, wie z.B. Lebendgebärende, fressen sofort ihre Jungen, wenn sie Gelegenheit dazu haben. Man ist versucht, dem Fisch soviel Denkvermögen zuzutrauen, daß er die Jungen als seine Nachkommen ansieht. Doch selbst bei intensiver Brutpflege handelt es sich ,,nur" um erblich angelegte Verhaltensweisen. Manche Fische verlieren ihre Jungen oder Eier beim Schwimmen und kümmern sich nicht weiter darum. Im nächsten Moment sehen sie ihre Nachkommenschaft als Futter an. Manchmal werden echte Raubfische im Zoofachhandel angeboten, zum Beispiel Schlangenkopffische, rote Piranhas oder Flösselhechte. Viele Raubfische können nur einzeln oder mit gleich großen Arten gepflegt werden. Darum findet man richtige Raubfische in normalen Aquarien eher selten. Das liegt zum einen daran, daß manche Arten sehr schnell eine Größe erreichen, die jedes Standardaquarium sprengt und zum anderen, daß sie lebende Wirbeltiere als Nahrung benötigen. Mitunter wird Trockenfutter zwar angenommen, ausschließlich können Raubfische jedoch nicht damit ernährt werden. Sie benötigen die unverdaulichen Bestandteile der Futtertiere als Ballaststoffe für die Verdauung. Einige Arten lassen sich mit Fischfleisch, Würmern, großen Futterinsekten und Insektenlarven ernähren. Die Ernährung muß abwechslungsreich sein und alle Nährstoffe und Vitamine enthalten. Buntbarsche werden von Aquarianern häufig als Räuber bezeichnet. Die meisten Arten sind jedoch völlig friedlich und lassen sich auch mit wesentlich kleineren Arten vergesellschaften. Viele Zwergcichliden zeigen nur während der Brutpflege Aggressionen gegen andere Beckenbewohner. Wenn diese ihr Revier respektieren, gibt es keine Probleme. ![]() Oft werden Skalare (Pterophyllum scalare) und Schmetterlingsbuntbarsche (Microgeophagus ramirezi) zusammen gepflegt. Beide sind ruhige und verträgliche Fische. Führen die Schmetterlingsbuntbarsche allerdings einen Schwarm Jungfische, kann es schon vorkommen, daß die Skalare diesen als ein zusätzliches Futterangebot ansehen. Kommen sie jedoch der Brut zu nahe, stürzt sich das Männchen auf den Angreifer und jagt ihn unter schweren Attacken über die Reviergrenzen hinaus. Skalare mit JungtierenSkalare sollte man nicht mit kleinen Fischen vergesellschaften. Insbesondere junge Neonfische (Paracheirodon innesi) haben sie zum Fressen gern. Mitunter haben die Neonfische eine Chance, wenn sie schon etwas größer sind und mit kleinen Skalaren vergesellschaftet werden. Wenn die Skalare dann größer werden, haben sie die Neonfische als Mitbewohner akzeptiert und verschonen sie. Eine Garantie dafür; daß nicht doch eines Tages ein Gesinnungswandel eintritt, gibt es aber nicht. Andererseits ist ein Schwarm großer Neonfische für ein Skalarepaar eine richtige Plage, wenn es seinen Laich bewacht oder die Brut aufzieht. Ständig versuchen die Neonfische die jungen Skalare zu fressen. Mit großer Aggression verteidigen die Eltern ihre Jungen und rasen wie wild in den Schwarm Neonfische. Der Schwarm teilt sich sogleich und fügt sich wieder zusammen, wenn der Skalar zurückschwimmt, um gleich den nächsten Angriff zu starten. Hier hilft oft, den Neonfischen mehrmals am Tag tiefgefrorene Wasserflöhe als Ersatzfutter zu geben. In den Zoogeschäften werden zeitweilig kleine Jungfische groß werdender Arten angeboten. So zum Beispiel der Pfauenaugenbuntbarsch (Astronotus ocelIatus) als kleiner, hübsch marmorierter Fisch. Der unwissende Aquarianer setzt das harmlos erscheinende Fischlein in sein Gesellschaftsbecken. Im Artenbecken entwickelt er sich zu einem ruhigen Fisch. Im Gesellschaftsbecken wird der Pfauenaugenbuntbarsch aber erst dann ruhig, wenn er alle seine Mitbewohner verspeist hat. Bei guter Fütterung erreicht er eine Größe von 35 Zentimetern. Fische von fünf Zentimetern Größe verschluckt er dann mühelos. Eine Futterfischzucht ist sinnvoll. Aufgrund ihrer Größe muß das Zuhause der Pfauenaugenbuntbarsche mindestens 1,5 m lang und 60 x 60 cm breit und hoch sein. Stabile Dekoration und Steinaufbauten sind notwendig, da die Fische graben. Nur robuste Pflanzen wie Anubias und Javafarn haben die Chance, längere Zeit zu überleben. Aufgrund der großen Futtermengen, die täglich verzehrt werden, ist ein großer Filter und viel Wasserwechsel notwendig. Der Blattfisch Monocirrhus polyacanthus ist kein Cichlide, sondern gehört zu den Nanderbarschen. Er ist ein reiner Raubfisch, der nur lebendes Futter annimmt. Aufgrund seiner perfekten Tarnung sehen ihn die Beutefische als welkes, im Wasser herumtreibendes Blatt an. Um die Tarnung zu perfektionieren, steht er schräg mit dem Kopf nach unten im Wasser. Selbst der Blattstiel wird durch einen Fortsatz an der Unterlippe nachgeahmt. Durch Farbwechsel kann er sich an seine Umgebung anpassen. Wenn ihm ein Beutefisch nahe genug gekommen ist, saugt er ihn mit dem weit vorstülpbaren Maul blitzschnell ein und verschlingt ihn. Auch Regenwürmer und große rote Mückenlarven werden als Beute akzeptiert. auch ein RäuberDa die etwa acht bis zehn Zentimeter groß werdenden Blattfische sich nicht allzuviel bewegen, reicht ein Aquarium mit einem Meter Länge für eine kleine Gruppe aus. In größeren Becken können sie mit anderen ruhigen Arten gleicher Größe zusammen gepflegt werden. Das Becken sollte dicht bepflanzt und mit Wurzeln dekoriert sein, damit sich die Blattfische verstecken und auf Beute lauern können. Sie haben einen täglichen Nahrungsbedarf, der etwa 80% ihres Eigengewichtes entspricht. Daraus folgt, daß auch der Filter groß dimensioniert sein muß, um die anfallenden Ausscheidungen verarbeiten zu können. AItolamprologus calvus und AItoIamprologus compressiceps, der Nanderbuntbarsch, sind in Aussehen und im Verhalten ähnliche Cichliden aus dem Tanganjikasee. Sie leben in senkrechten Felsspalten und ernähren sich von Fischen und Krebsen. Aufgrund ihres schmalen Körpers mit spitz zulaufendem Kopf können sie selbst in kleinen Fels-spalten Zuflucht suchende Jungfische erbeuten. Man pflegt die etwa 15 Zentimeter groß werdenden Fische in mindestens 80 Zentimeter langen Becken. Sie wühlen nicht im Bodengrund und fressen keine Pflanzen. Man muß ihnen einsturzsichere senkrechte Felsspalten bieten, zwischen denen sie Schutz suchen können. Zum Ablaichen benötigen sie Höhlen. Innerhalb der Art sind sie unverträglich, es kann immer nur ein Paar im Aquarium gepflegt werden. Gegenüber gleich großen anderen Arten sind sie friedlich. Sie lauern aber natürlich unvorsichtigen Jungfischen auf, die sie aus ihren Verstecken heraus jagen. Wenn sie die anfängliche Scheu verloren haben, suchen sie im ganzen Aquarium nach Nahrung. Sie haben dann auch keine Hemmung kleineren Maulbrütern beim Ablaichen die Eier zu rauben. Nach dem Ablaichen in der Bruthöhle pflegen die Weibchen den Laich und behüten in den ersten Tagen die Jungfische. Die freischwimmenden Jungen werden vom Vater gefressen, wenn man sie nicht frühzeitig aus dem Becken entfernt. ![]() Cichliden sind Aquarienbewohner mit interessanten Verhaltensweisen. Insbesondere manche räuberische Arten bieten dem Pfleger viele lehrreiche Stunden der Beobachtung vor dem Aquarium. Wer die Möglichkeit hat, ein zweihundert bis dreihundert Liter fassendes Aquarium aufzustellen und zu pflegen, der kann an den robusten Räubern lange Zeit Freude haben. Texte und Bilder stammen z.T. von sera. |





