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Der Diskus - ein Fisch für Kenner PDF Drucken E-Mail
Nun, zu den für Anfänger geeigneten Fischen gehört der Diskusfisch mit Sicherheit nicht. Allein die Größe des Fisches und die damit verbundenen Bedürfnisse setzen eine schon etwas tiefer gehende Erfahrung in der Pflege eines Aquariums voraus. Erschwerend kommt noch hinzu, dass  Ein prachtvoll gefärbtes Paar FlächentürkisDiskusfische sich in weichem Wasser wohl fühlen. Der Pfleger sollte somit kein Problem damit haben, Wasser mit sehr niedriger Karbonathärte, also mit geringer Pufferkapazität, herzustellen. Doch keine Angst -unter optimalen Bedingungen gepflegt, ist der Diskus ein äußerst robuster Fisch, an dem man lange Jahre seine Freude haben kann. Belegexemplare des Diskus kamen schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Europa. Der Forscher Johann Natterer schickte kistenweise konservierte Exemplare von Tieren und Pflanzen, die er auf einer 18-jährigen Expedition in Südamerika sammelte, nach Wien. Die Fische gelangten zur Bestimmung an das Hofmuseum in Wien, an dem Johann Jakob Heckel als Ichthyologe arbeitete. Er beschrieb etwa 70 neue Arten von Cichliden, darunter im Jahr 1840 den heute als Heckel-Diskus bekannten Fisch als Symphysodon discus. Heckel starb 1857 an einer unbekannten Krankheit. Es dauerte lange, bis die ersten lebenden Diskus nach Europa kamen, vermutlich zwischen den beiden Weltkriegen. Erst nach 1950 traf man ihn vereinzelt in guten Zoohandlungen an. Obwohl ich in einer verträumten Kleinstadt fernab des Weltgeschehens aufgewachsen bin, gab es eine kleine Zoohandlung, die ich als Kind regelmäßig besuchte. Hier sah ich wohl um 1960 die ersten braunen Diskus. Ein kräftiges Paar schwamm ruhig atmend zwischen Amazonaspflanzen und war keineswegs scheu. Stundenlang stand ich fasziniert vor dem Aquarium und ging der Inhaberin mit meinen Fragen auf die Nerven. Selbst nach 40 Jahren erinnere ich mich noch genau an die Fische und das Aquarium. Erst 10 Jahre später konnte ich mir ein großes Becken und Diskusfische leisten.  Eine relativ neue Zuchtvariante - Golden Sunrise Diskus

Heute sind viele natürliche und gezüchtete Varianten auf dem Markt. Auch der Heckel-Diskus ist noch vereinzelt zu finden. Die meisten Varianten entstammen der Art Symphysodon aequifasciata. Zusätzlich unterscheidet man noch die aus den verschiedenen Flusssystemen stammenden Wildformen. Da sie sich kreuzen, kann man sie nicht als unterschiedliche Arten bezeichnen. Zudem haben die Namen nach Herkunftsgebiet keine Aussagekraft, da die Fänger ihr Fanggebiet nicht bekannt geben. Die Namen werden in den Exportstationen willkürlich nach Aussehen vergeben.

Aus den Wildformen wurden verschiedene Zuchtlinien entwickelt. Manche gibt es schon viele Jahre, sie sind stabilisiert. So kann man ziemlich sicher sein, von einem seriösen Züchter auch reinrassige Tiere zu erhalten. Junge von Rottürkis-Diskus färben sich dann später auch rottürkis.



Anders verhält es sich mit den noch nicht stabilisierten Zuchtformen, die zur Zeit auf den Markt kommen. Jeden Monat kann man auf den Anzeigenseiten der Fachzeitschriften neue Phantasienamen lesen. Meist handelt es sich um Zufallszuchten, deren Namen nach dem Aussehen der Tiere erfunden werden. Aus einem Wurf heißt ein Teil dann ,,Golden Sunset Fin", weil sich vielleicht ein gelber Fleck in der Flosse befindet. Der andere Teil wird nach einer etablierten Farbform benannt, die so ähnlich aussieht. Wer solche Fische kauft, wundert sich dann, wenn Jungfische suchen nach dem Hautsekret der Elterntiere nur ein kleiner Teil des nachgezogenen Schwarmes die erwartete Färbung hat. Ende der Achtziger Jahre trat in Thailand eine Farbmutante auf die erfolgreich weitergezüchtet wurde, der Pigeon Blood. Daraus wurden wieder viele, teilweise sehr schöne, Varianten gezogen. Auch rein rote Diskus, ohne schwarze Pigmente und darum auch ohne senkrechte Streifung, sind darunter. Manche Züchter kreuzen diese mit braunen S. aequifasciatus. Es ist ein reines Lotteriespiel, was dabei herauskommt, weil meist aus Unverständnis die Vererbungsgesetze (Mendelsche Regeln) nicht berücksichtigt werden. Eine Zuchtlinie zu stabilisieren, geht über viele Generationen und dauert mehrere Jahre. Diskusfische haben sich im Laufe von etwa 200 Millionen Jahren im Amazonasgebiet entwickelt und sind an die dortigen Wasserverhältnisse angepasst. Sicher haben Fische hohe Toleranzbreiten, ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass das Ergebnis einer so langen Evolution in wenigen Generationen zu ändern ist. Manche Züchter behaupten, ihre Zuchttiere seien seit einigen Generationen an hohe Härtegrade angepasst und würden bei einer Karbonathärte von über 15 °dKH ihre Brut problemlos aufziehen. Alle namhaften Züchter, die ich kenne, versuchen ihr Wasser den Fischen anzupassen und nicht umgekehrt. Unter optimalen Bedingungen und in weichem Wasser können Diskusfische aus eigener Erfahrung 10 bis 12 Jahre alt werden und sich 8 Jahre lang fortpflanzen. Optimal fühlt sich der Diskus in Wasser mit einer Karbonathärte zwischen 4 und 6 ° dKH, wenn der pH-Wert zwischen 6,5 und 7 stabilisiert ist. Mit sera pH-minus kann man zwar den pH-Wert genau einstellen, dabei wird aber Karbonathärte verbraucht. Es entsteht ein ständiger Wechsel zwis Portrait eines Diskuschen der Zugabe von sera ,,,kH-plus und sera pH-minus. Das sorgt für unnötigen Stress bei den Fischen. Besser ist, den pH-Wert mit einer geregelten C02 Anlage exakt einzustellen und die Karbonathärte bei 5 °dKH zu halten. Steht nur ungeeignetes Wasser zur Verfügung, kann mit einer Osmoseanlage fast reines Wasser hergestellt werden. Da Osmosewasser jedoch keine der für die Fische wichtigen Mineralstoffe mehr enthält, muss es mit sera mineral salt aufbereitet werden. Diese vollwertige Mineralsalzmischung enthält mehr als siebzig Mineralien und Spurenelemente. Mangelerkrankungen werden so vermieden. Für die Zucht sollte ein Diskuspaar in einen Zuchtwürfel von mindestens 50 cm x 50 cm x 50 cm umgesetzt werden. Da sich viele Paare bei hoher Karbonathärte nicht fortpflanzen, wird die KH unter 2 °dKH gehalten und der pH-Wert mit sera pH-minus auf 6 eingestellt. Ein solches Wasser ist äußerst instabil und muss täglich kontrolliert werden. Der pH-Wert kann über Nacht in einen lebensfeindlichen Bereich abfallen. Wenn die Jungfische dann eine Woche lang frei schwimmen und Artemianauplien aufnehmen, kann mit sera microgran zugefüttert werden. Nun ist es wichtig, die Karbonathärte wieder oberhalb von 4 0dKH zu stabilisieren. Diskusfische werden bis zu 20 cm groß und können 300 Gramm wiegen. Eine solche Fischmasse benötigt auch eine entsprechende Wassermenge als Lebensraum. Sie dürfen nicht in zu kleinen Becken gehalten werden, und pro ausgewachsenem Fisch sollten mindestens 50, besser 60, Liter Wasser zur Verfügung stehen. In einem Schauaquarium von 300 Litern Inhalt kann man nach dieser Rechnung 5 Tiere pflegen. Einige Welse, ein Schwarm Salmler und einige Kleincichliden können den Diskus dabei Gesellschaft leisten. Ein regelmäßiger Wasserwechsel mit entsprechend aufbereitetem Wasser ist obligatorisch. Mindestens 20 % der Wassermenge sollte wöchentlich gewechselt werden. Die Anwendung von sera aqutan beim Wasserwechsel wirkt sich sehr positiv auf die Diskusfische aus.

Portrait eines DiskusDiskus benötigen zwar einen gewissen Freiraum zum Schwimmen und für die Futtersuche; genau so wichtig ist aber auch eine geschützte Ruhezone, in die sie sich zurückziehen können, wenn sie das möchten. Dem natürlichen Leben zwischen ausgespülten Wurzelstöcken und dem Astgeflecht ins Wasser gestürzter Bäume entsprechen im Aquarium eine oder zwei Wurzeln mit Überhang. Dabei braucht die Wurzel nicht ,,standardmäßig' vom Boden aufzuragen. Wenn sie in der Ecke oder der Rückwand aufgehängt ist, erfüllt sie den gleichen Zweck und kann bei Arbeiten im Aquarium leicht entfernt werden. Im Wald gesammelte Wurzeln beginnen nach kurzer Zeit zu faulen und verderben das Wasser. Im Zoofachhandel gibt es für das Aquarium geeignete Wurzeln. Lebende Pflanzen erfüllen wichtige Aufgaben in einem gesunden Aquarienbiotop. Sie erzeugen Sauerstoff und nehmen Giftstoffe auf, die sie in den Blättern ablagern. Sie hemmen die Vermehrung schädlicher Mikroorganismen und fördern die Entwicklung nützlicher Bakterien auf ihren Blättern und im Bereich ihrer Wurzeln. Da die Temperatur im Diskusaquarium bei 27 bis 28 °C liegen soll, sind nur Pflanzen geeignet, die höhere Temperaturen vertragen. Viele Echinodoros, Cryptocorynen-, Anubias- und Vallisneria-Arten stehen dafür zur Auswahl. Auch einige Arten von Stengelpflanzen sind für Diskusbecken verwendbar. So sind für Diskusbecken besonders gut geeignet:

Anubias barteri var. nana, A. barteri, Microsorium pteropus, Cryptocoryne wendtii, C. pontederifolia, C. nevillii, Echinodorus bleheri, E. horizontalis, E. parviflorus, E. schlueteri, E. tropica, Hydrocotyle leucocephala, Hygrophila difformis, H. nervata, Alternanthera reineckii, Nymphaea lotus, Vallisneria gigantea und Vallisneria spiralis.

Für ein optimales Pflanzenwachstum ist ein Langzeitbodengrund von Vorteil. sera floredepot kann vor der Einrichtung des Beckens an den Stellen auf den Glasboden, wo dann die Pflanzen kultiviert werden sollen, in einer ein bis zwei Zentimeter dicken Schicht ausgebracht werden.

Die Pflanzen wurzeln schneller an und sind in der ersten Zeit mit Nährstoffen versorgt. Danach düngt man wöchentlich abwechselnd mit sera florena und sera florenette A nach. Die Düngeschicht deckt man etwa 6 bis 8 cm hoch mit feinem Kies ab. Diskus lieben es, ihr Futter aus dem Grund zu blasen. Das ist mit grobem Kies nicht möglich.

Beim Kauf von Diskusfischen sollte man darauf achten, gesunde Tiere zu erstehen. Wenn die Tiere einen breiten Rücken haben, ihre Flossen stellen und prächtige Farben zeigen, ist das ein positives Zeichen. Auf keinen Fall sollte man Diskus kaufen, die dunkel gefärbt, schreckhaft oder abgemagert sind. Hält man die Hand im oberen Bereich an die Frontscheibe, kommen gesunde Tiere nach vorn und erwarten Futter. Man soll sich zeigen lassen, dass die Fische sofort fressen, wenn Futter gegeben wird. Ihre Ausscheidungen müssen dunkel und fest sein und sich in kleinen Stücken vom After lösen. Fische, die weiße schleimige Ausscheidungen haben, sollte man nicht kaufen. Wenn Diskusfische dunkel gefärbt sind, fühlen sie sich nicht wohl. Oft entsprechen die Wasserwerte nicht den Bedürfnissen der Fische. Kümmert man sich nicht darum, stehen die Tiere unter Stress. In optimalem Wasser sind die Fische nach dem Umsetzen vielleicht kurze Zeit scheu, am nächsten Tag sollten sie aber mit gestreckten Flossen und voller Färbung im Becken herumschwimmen.


Die kräftig rot gefärbten Augen der Golden Sunrise Diskus sind ein hervorstechendes Merkmal dieser Zuchtform.Länger anhaltende Stresssituationen machen die Fische krank. Stehen Fische unter Stress, vermehren sich alle Parasiten im und am Fisch besonders stark. Bei guter Haltung können die Fische mit ihren Parasiten leben, es kommt nicht zum Ausbruch einer Krankheit~ Parasitenfreie Tiere sind im Handel kaum erhältlich, und wenn, dann sind sie sofort infiziert, wenn sie mit anderen Fischen in Kontakt kommen. Eine optimale Haltung und abwechslungsreiche, gesunde Ernährung sind die besten vorbeugenden Maßnahmen gegen Krankheiten. Gerade bei der Ernährung von Diskusfischen werden viele Fehler gemacht. Wider besseres Wissen füttern viele Züchter ihre Tiere mit Warmblüterfleisch,was direkt zu einer Vermehrung von Flagellaten im Darm führt,da die Eiweißverdauung nicht vollständig ist. Bei einer ausgewogenen Ernährung mit Granulaten,Flockenfutter,gefriergetro ckneten Futtertieren und Frostfutter bleiben wenig Rückstände im Kot. Die in dieser Zusammenstellung enthaltenen Ballaststoffe reinigen den Darm und halten Ihn in Bewegung.Wasser und Filter sind weniger belastet.

Wer sich die Wasseraufbereitung zutraut, Zeit für den notwendigen Wasserwechsel und die Pflege eines großen Aquariums hat und Freude an den meist ruhigen Fischen mit prächtigen Farben, dem kann die Haltung von Diskusfischen wärmstens empfohlen werden. Gelingt dann noch die Zucht, sind interessante Stunden bei der Beobachtung des ungewöhnlichen Brutverhaltens gesichert.

Text und Bilder stammen aus der sera Clubnews 2000.